Alemannische Visionäre – Albert Hofmann

I. Hofmanns Biografie: Ein Leben im alemannischen Hochland

Von Albert Hofmann kann man in der Tat als „waschechter Alemanne“ sprechen – geboren im Aargau, als Student in Zürich, berufstätig in Basel und in seinen letzten Lebensjahren auf der Rittimatte im Jura, verbrachte er sein ganzes Leben und Wirken in der Schweiz, das von 1906 bis 2008 immerhin 102 Jahre zählte.

Auf die Frage, wie Hofmann es geschafft hatte, so alt zu werden und selbst im hohen Alter noch gesund und aktiv zu sein (ob er als Chemiker wohl irgendein Wundermittel dazu hatte?), antwortete er einmal, dass er sich bis zum Lebensende eine gewisse Offenheit für die Welt und für sich selbst bewahrt hatte. Gerade im letzten Viertel seines Lebens hielt Hofmann viele Vorträge und Interviews zu seinem körperlich und seelisch gesunden Leben, das bei ihm schon in der Kindheit sehr prägend war, aber erst durch seine späteren Lebenserfahrungen entschieden begründet wurde.

Den jungen Albert Hofmann zeichnete bereits als Kind eine tiefe und glückbringende Verbindung mit der Natur aus. Häufig berichtete er von einem Erlebnis, das er als Grundschulkind an einem schönen Maimorgen gehabt hatte, als sich ihm der Wald um ihn herum in einem unbeschreiblich schönen Licht offenbarte, so dass der kleine Albert seine menschliche Weltwahrnehmung einen Augenblick vergaß und „den Wald sah, wie er wirklich ist, nämlich unbeschreiblich schön“. Gegenüber den Erwachsenen hüllte er sich damit in Schweigen und wunderte sich, warum sie nie über solche Erlebnisse sprachen. Dennoch finden sich ähnliche Berichte auch häufig von Erwachsenen Menschen, die sie gerne in Bildern und Worten illustrieren, wo sie von Feen und Elfen umschwirrt werden. Der bekannte Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl nannte Albert Hofmann deswegem einmal scherzhaft, aber durchaus mit einem gewissen spirituellen Ernst, „Alberich“ – nach dem legendären Elfenkönig Alberich (Oberon). Auch in späteren Jugendjahren unternahm Hofmann weitere solche Streifzüge und entschloss sich wegen dieser Faszination der Natur, Biochemie zu studieren und sein Leben dem Erforschen der Pflanzen für die Heilung der Menschen zu widmen.

Hofmann ahnte damals noch nicht im geringsten, wie sehr sich das bewahrheiten würde, als er an dem Getreidepilz des sogenannten „Mutterkorn“ experimentierte. Ein Schlüsselerlebnis stellte für ihn der „Bicycle Day (Fahrradtag)“ 19. April 1943 dar, als er, mitten im ideologisch entsetztlichsten Krieg der Menschheitsgeschichte, durch (gewissermaßen) einen Laborunfall mit Kopfschmerzmitteln die Droge LSD entdeckte, welche bei ihm für einige Stunden starke Halluzinationen und Einsichten verursachte, die zuerst beängstigend auf ihn wirkten, sich später aber als Glücksfall herausstellten. Insbesondere die Psychotherapie profitierte jahrzehntelang von dieser Entdeckung. Für Hofmann begann nach diesem Tag das fachliche Interesse an Stoffen mit ähnlicher Wirkung in der Menschheitsgeschichte. Das LSD hatte er ja aus Mutterkorn hergestellt, das bereits in der volkstümlichen Mythologie eine bedeutende Rolle gespielt hatte. Als erster Europäer erforschte er die Wirkstoffe in traditionellen Zauberpflanzen und Zauberpilzen religiöser Kulte, was eine wichtige Grundlage für seine späteren Gesellschafts-Visionen darstellte.

Albert Hofmann auf dem Hintergrund einer typischen Zauberpilz-Halluzination
(Albert Hofmann auf dem Hintergrund einer typischen Zauberpilz-Halluzination)

Nachdem Hofmanns Versuche, die Drogenerfahrungen zu wiederholen, kein befriedigendes Ergebnis darstellten, trat er in den Austausch mit Künstlern, Philosophen und religiösen Führern, um herauszufinden, was den Menschen auf gesunde Weise innerlich mit Gott und der Welt verbindet. Daraufhin entwickelte er eine eigene Naturphilosophie, die von einem intensiven Sinneserleben geprägt war.

II. Hofmanns Philosophie: Lichtmystik und Sinneserkenntnis

Hofmann war Zeit seines Lebens Bewunderer des alemannischen Arztes Theophrastus Bombastus Paracelsus von Hohenheim, der im 16. Jahrhundert einen wichtigen Pionier der heutigen Schulmedizin darstellte, auch wenn Paracelsus selbst in seinem Weltbild und seinen Lehren weit davon entfernt war, was die heutige (chemisch-materialistische) Schulmedizin ausmacht. Paracelsus war einer der sogenannten „Theosophen“ der Frühen Neuzeit, für die Naturwissenschaft in erster Linie einen Dienst an der Erkenntnis von Gottes Herrlichkeit in der Schöpfung bedeutete (Im Gegensatz dazu entwickelten die späteren Theosophen der Romantik, die unter anderem wichtige Lehrer des Anthroposophen Rudolf Steiner, leider aber auch einiger Nazis waren, besondere esoterische Lehren). Diese Ansicht vertrat auch Hofmann, dessen Staunen über die Schöpfung und die Natur dazu geführt hatte, als Biochemiker die Wirkstoffe von Pflanzen zu erforschen und zur Heilung von Menschen zu verwenden.

Maßgeblich war bei Paracelsus die heidnisch-naturreligiöse Lehre, dass die Schöpfung wie ein Buch ist, in dem man – wenn man darin denn richtig liest – den Schöpfer selbst erkennen kann. Von dieser Ansicht hebt sich übrigens die Lehre der Religionen Abrahams ab, die besagen, dass sich Gott nicht nur durch die Schöpfung, sondern auch ein Gesetz (die Tauroh des Judentums), ein Buch (den Koran des Islams) oder einen Menschen (den Jesus des Christentums) in seiner vollkommenen Weise und auf einem viel besseren Weg erkennen lässt.

Viele Religionen sprechen von der „Erleuchtung“ oder dem „Licht“ als Symbol des Göttlichen. Diese Ansicht vertrat Albert Hofmann auch naturwissenschaftlich, da Licht die Ausdrucksform kosmischer Energie ist, die Leben erschafft und ermöglicht. Im Klartext: Licht verdichtet sich zu Materie, zuerst zu den hellen Sonnen und Sternen, dann zu festen Planeten wie der Erde, auf der die Pflanzen dann durch die Aufnahme von weiterem Sonnenlicht als lebendige Wesen wachsen. Auch die meisten Tiere benötigen dieses Licht (die Pilze als Schmarotzer in der dunklen Erde zählen allerdings nicht dazu, benötigen aber Nahrung durch die „Lichtwesen“).

Licht ist aber nicht nur für das Leben selbst, sondern auch für die Kommunikation mit Schöpfer und Schöpfung wichtig. Doch wie ist das zu verstehen?

Ein weiterer Mensch, dessen Philosophie Hofmanns Denken ganz maßgeblich beeinflusste, war der britische Druide William Blake, von dem das berühmte Zitat über die „Tore der Wahrnehmung“ stammt:

„If the doors of perception were cleansed, everything would appear to man as it is, infinite.“
Zu deutsch: „Wenn die Pforten der Wahrnehmung gereinigt würden, erschiene alles dem Menschen, wie es ist – grenzenlos.“

Mit diesen Toren bzw. Pforten sind die fünf klassischen Sinne des Menschen gemeint: Das Hören, das Sehen, das Riechen, das Schmecken, das Tasten. Nach Albert Hofmann verbinden diese Sinne die „spirituelle Welt“ mit der „materiellen Welt“. Hierbei ordnet Hofmann die Sinne verschiedenen Zugängen dieser Welten zu:

- Schmecken, Riechen, Tasten: Sinne der materiellen Welt zur Befriedigung körperlicher und überlebensnotwendiger Bedürfnisse.
- Sehen, Hören: Sinne der spirituellen Welt zum mystischen Erkennen und Erleben der Schöpfung.

Sehen und Hören sind also die entscheidenden Sinne. Sie sind dem Erleben wichtig, nicht dem Besitzen (Hofmann: „Um Sehen und Hören sind noch nie Kriege geführt worden“). Eine alemannische Weisheit, die dafür in einfachen Worten ausgedrückt wird, fand Hofmann dafür am Stadttor von Schaffhausen: „Lappi tue d‘Augen uf“ ( zu hochdeutsch: Tolpatsch, mach deine Augen auf. Lappi/Tollpatsch bezeichnet eine unachtsame Person, kann aber auch als „Narr“ übersetzt werden, da der Narr besonders in der alemannischen Mythologie ein Mensch ist, der am wahren Wert des Lebens vorbei lebt).

Stadttor von Schaffhausen

Das Wort „Bewusstsein“ zerfällt für Hofmann übrigens in ein spirituelles „Bewissen“ und ein materielles „Sein“. Wenn diese beiden Bereiche sich im richtigen Verhältnis zum Bewusst-sein vereinen, dann ist als ein besonderer Zustand dieses Bewusstseins das Glück erreicht. Also kommt es nicht nur auf das Sehen und Hören selbst, sondern auf die Verbindung all dieser Sinne mit der Welt an. Nur sehen und hören reicht nicht aus, man muss mit dem Herz begreifen. Ein Zitat, welches das veranschaulicht, findet sich bei Matthias Claudius 1778 in seinem Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“:

„So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsere Augen sie nicht sehn.“

Aber wie erreicht man diese Verbindung? Wie „reinigt“ man diese „Pforten der Wahrnehmung“? Und warum ist das gerade für heutige Menschen so schwierig?

III. Hofmanns Praxis: Eleusis und die Heilung des Abendlandes

Eine bedeutende Freundschaft verband ihn mit Aldous Huxley, einem berühmten britischen Schriftsteller und Philosophen. Huxleys Buch: „The Doors of Perception“, in dem er seine eigenen Erfahrungen mit Zauberdrogen aus Mexiko beschreibt, spielt auf das schon oben genannte Zitat des britischen Druiden Willam Blake an, das als eine wichtige Grundlage für Hofmanns Naturmystik diente. Hofmann und Huxley lagen ihrerseits in einem langjährigen Streit mit dem amerikanischen Professor Timothy Leary, der 1962 ebenfalls heftige Erfahrungen mit Zauberpilzen und dem durch Albert Hofmann entdeckten LSD gemacht hatte. Leary setzte sich bis zu seiner Verhaftung 1973 besonders radikal für einen intensiven Drogenkonsum religiöser Zauberdrogen in der modernen Gesellschaft ein, weil er der Auffassung war, dass diese Drogen die schnellste und wichtigste Erfahrung der Einheit mit Gott und dem Universum verschaffen könnten und die Religion der Zukunft auf einem solchen Drogenkonsum basieren sollte.

Hofmann und Huxley widersprachen Leary in diesem Punkt entschieden, konnten den Massenmissbrauch der Drogen und die anschließende Kriminalisierung mit dem gesetzlichen Verbot des LSD aber nicht verhindern. Ihr Gegenmodell lag in einem verantwortungsvollen und gezielten Einsatz solcher Erfahrungen, die dem Menschen das Gefühl gaben, nicht von Gott und dem Universum getrennt zu sein – mithilfe von Ritualen, wie sie etwa die antiken griechischen Kulte von Eleusis darstellten.

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Gerade im antiken Griechenland war eine Weltanschauung des menschlichen Verstandes stark ausgeprägt, die ein Gefühl dieser Getrenntheit vermittelte. Gottfried Benn, ein bekannter Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, sprach hier von der „Europäischen Schicksalsneurose“. Man kann sich als getrenntes Gegenüber dieser Welt betrachten, um sie aus der Distanz erforschen zu können. Das war zweifellos der Motor für den enormen technischen und wissenschaftlichen Fortschritt im Abendland. Hofmann sah darin aber auch die Gefahr einer einseitigen Betrachtung der Welt, und die Konzentration auf die Materie und Gegenstände.

Demgegenüber steht die Erfahrung, dass mein Ich und das Universum auch eine Einheit bilden können, also man sich als Teil einer in sich stimmigen und harmonisch verlaufenden Schöpfung erlebt. Diese Erfahrung kann jeder machen, durch einen gesunden Lebensstil, ein Aufgehen im erfüllendem Tun, eine gezielte Meditation oder eben durch bewusstseinsverändernde Drogen, wie sie Albert Hofmann im Mutterkorn entdeckt hatte. Der Kykeon aus Gerste und Minze war ein Getränk, das die Teilnehmer der eleusinischen Rituale von den Priestern erhalten hatten. Hofmann entdeckte unter anderem Mutterkornstoffe in mexikanischen Heiltränken, die sich ebenfalls in europäischen Gräsern finden. Daraus schloss er, dass die eleusinischen Mysterien wahrscheinlich genau diese oder ähnliche Gräser dem Trank zusetzten, um somit die Einheitserfahrung der Kultteilnehmer zu verstärken.

Diese Mysterien, zu denen auch das frühe Christentum zählte, stellten für Albert Hofmann die besondere Heilung der abendländischen Gesellschaft in der Antike dar. Viele Anklänge davon finden sich auch in der Bibel. So ist die Mystik des Johannesevangeliums erfüllt von einer ständigen Aufhebung der Trennung zwischen Gott und Mensch, und damit auch Jesus und seinen Jüngern. An anderer Stelle würdigt Jesus, seiner Zeit damit weit voraus, besonders die Kinder als zugänglich für die Erfahrung des Paradieses, was Hofmann (vor allem mit Blick auf seine eigenen mystischen Kindheitserfahrungen) damit begründet, dass bei ihnen das Gefühl der Getrenntheit noch nicht so ausgeprägt ist.

Dennoch hatte das Christentum hier aus Hofmanns Sicht versagt: Die europäische Kirche, in die neben der urchristlichen Mystik noch viele römische und jüdische Lehren einflossen, die das Urchristentum eigentlich überwinden sollte, predigte und lehrte weiterhin vor allem das typisch abendländische Getrenntsein (wie es in den Kirchen Asiens, Afrikas und Südamerikas übrigens nicht ganz so stark in Erscheinung tritt!). Die wirkliche Heilung der menschlichen Wahrnehmungs-Neurose unserer Zeit könnte eher dadurch erreicht werden, dass man einen achtsamen Umgang mit der Welt und ein tiefes Einheitsgefühl pflegt, wie es die antiken Mysterien von Eleusis vermittelt hatten, und den man in den menschlichen Alltag integrieren müsse. Eine Formel dafür fasste Hofmann ungefähr so zusammen:

Was du hörst, das höre genau,
Was du siehst, das sehe genau
Und was du erlebst, das erlebe intensiv.

Hofmann selbst verbreitete aber keine eindeutigen Konzepte, wie eine religiöse Neuaufnahme der antiken Mysterien in der Praxis denn aussehen könnte – vermutlich auch deswegen, weil er nicht die Fehler Learys wiederholen wollte? Dennoch blieb er, nachdem er sich in den letzten Jahren seines Lebens in die Schweizer Berge zurückzog und dort 2008 im Alter von 102 Jahren starb, ein Mensch, der einer schwierigen Gesellschaft wichtige Ideen und Erfahrungen hinterlassen hatte.

Quellen und Infos:
http://www.fotocommunity.de/photo/was-steht-am-schaffhauser-stadtt-arthur-baumgartner/24465087

HalloQueen

    Es ist ein Durst, der ansteckend ist. Der dich jedes Mal, wenn du ihm näherkommst, in deinen Hals, bis in deine Kehle verfolgt, tief in sie eindringt und nicht mehr loslässt. Für diesen Durst gibt es keine Stillung. Keine Heilung. Er ist die Tiefen des Daseins selbst, der allesverschlingende Strudel.

    Sich ihm hinzugeben, ist das Verderben. Es ist der Fehler in sich. Im Blut der Lebenden mag das Leben sein – das Blut der Toten zieht dich in die Tiefen des Todes.

    Lasst den Morgen aufziehen und lebt.

    Wir tanzen mit euch. Da ist kein Verlangen mehr. Da ist nur noch Schönheit. Kommt meine Lieben, kommt und seht her. Meine Finger zittern und können das Papier kaum halten auf das wir uns zu verewigen suchen, und wissen doch, dass die wahre Ewigkeit, von der wir ein Stück berühren, so weit fern von diesem Papier liegt!

    Tanzt mit uns, Feen, und erfreut euch an purer Schönheit, an ehrlicher, liebevoller, glückbringender Schönheit. Wir, die wir aus der Liebe wiedergeboren sind, wir schenken euch eine Liebe, die alle eure Lustspiele und kunstvollen Inszenesetzungen übersteigt. Wir erfüllen eure Verlangen, eure Süchte, an denen andere Sterbliche zergehen und sterben müssen. Wir übersteigern sie, einfach weil wir Menschen sind und als Menschen empfinden können. Habt Teil an unserer Seele und fühlt euch erlöst.

    Und mit uns die Elben in Baum, Bach, Gebirge und – Beton.

    (1.11.2016)

    Beacuse maybe if we define everything besides heaven as hell, hell cannot be that cruel as we imagine it. Of course it can, and it can not. Heaven only can. And Heaven may countermand hell, and guide people from hell to true light, just as Jesus did, when he was in hell with all the lost souls and guided them back to eternal life. das war genau das Thema unseres letzten Abends :) HalloQueen – komm einfach mit uns ans Feuer und atme den Heiligen Geist… ;)

Niederlage! so what? ist nicht meine!

Soeben hatte ich eine lustige Diskussion, wenn sie auch leider ein wenig kurz geraten ist. Alles begann mit diesem Dialog:

 

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Nun, da ich hier eigentlich nichts von irgendeiner Hetze mitbekommen habe außer einem blöden Kommentar über die deu… äh die Mannschaft die für Deutschland spielt und wohl auch diverse Anhänger derselben, habe ich einfach mal gefragt welches „Volk“ er meint, um da mal auf einen wichtigen Gedanken hinzuweisen. Doch da der Statusersteller der Rhetorik offensichtlich nicht zugetan war, wanderte mein Kommentar prompt in die virtuelle Mülltonne.

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Da auch mit dem nächsten Kommentar ebenso verfahren wurde und der Eintrag bei meinem letzten Aufruf komplett verschwunden war, dachte ich mir man sollte auch keinen Kohlköpfen das Tangotanzen beibringen. Das ist ebenso sinnvoll wie dort zum Nachdenken anzuregen, wo es offensichtlich nicht erwünscht ist.

 

So, Kinners, jetzt aber mal Butter bei die Fische: Ja, ich freue mich wenn „Deutschland“ bei der EM gewinnt. Ich bin aber auch nicht traurig, wenn es nicht gewinnt (so geschehen) und die EM bald zu Ende ist. Dann muss ich schon keine peinlichen Fußballfans mehr ertragen, wegen denen ich neulich abends nicht mehr heimgekommen bin. Auch wenn die nicht alleine dran schuld waren.

-> Siehe hier

Aber ich werde keine Tränen deswegen vergießen und meinen persönlichen Stolz, welchen auch immer, streift das nicht. Ja, ich finde Fußball ganz nett, aber rein von der sportlichen Seite, und gerade Länderspiele sind auf ihre Art etwas Lustiges und Spannendes. Nur mach ich da nicht irgendne ernstzunehmende politische Sache draus.

Gewisse Personen mögen IHR Volk gerne auf ein paar Leistungssportler reduzieren, wegen mir. MEINS ist MIR dafür zu schade, sofern ich mir überhaupt eins definieren will. Sry, aber bei diesem pseudonationalen Bierzeltpatriotismus-Getue mache ich einfach nicht mit.

Und nun könnt ihr meinetwegen gerne Tränen vergießen weil unser Land nun doch nicht DEN Pokal holt, oder ihr könnt die grandiose EM feiern und euch zur Not einen auf Auschwitz-U-Bahn-Lieder wixen oder darauf dass wieder überall Flaggen hängen und meinetwegen auch darauf dass dieses doofe Deutschland jetzt endlich weg ist und eure Israel-Flagge raushängen. Es juckt mich nicht.

Ich genieße dass mein italienischer Mitbewohner jetzt feiern ist und dreh deswegen Onkelz, Hosen, Heino und Forseti auf und zieh mir noch ein paar Gedichte von Hölderlin und Goethe zu meinem Wulle-Bier rein. Einfach aus Prinzip. Und wenn die EM vorbei ist dann trinke ich nochmal einen drauf dass wir uns endlich wieder auf WICHTIGE Dinge die Deutschland und Europa betreffen konzentrieren können und hänge vielleicht auch wieder meine Flagge raus. Aber keine schwarz-rot-goldene. Von denen bin ich erstmal genervt. Hab genug andere. Morgen wird dann in der Disco gefeiert, solange sie noch verfügbar ist.

Dazu fällt mir noch ein Lied ein das ich schon mal gebloggt habe. Und es ist aktueller denn je!

-> Klick mich!

In diesem Sinne: Schlaft gut. Euch noch einen schönen Abend!

BaWü2011 – Von Tiefbahnhöfen, Landtagswahlen, Atomlaufzeiten und anderen Ungeheuerlichkeiten

Als ich an einem Morgen mal wieder genervt in der S-Bahn saß, die seit 10 Minuten im Gleisvorfeld von Stuttgart feststeckte, der zweiten Anschluss-S-Bahn zuwinkte und diese Tatsache mit dem ironischen Kommentar „…aber mit dem neuen Tiefbahnhof wird ja alles besser“ mit dem Notbook ins Wastebook schickte, erntete ich diesen schönen zynischen Kommentar. „das sind eben die Nachteile eines Kopfbahnhofs“ – ein Treffer sondergleichen mitten ins Fettnäpfchen, denn der Herr hatte offenbar keine Ahnung von den Stuttgarter Verhältnissen und der auch ohne S21 durchgetunnelten S-Bahn. Naja, überhaupt scheinen die zugeständigen Planer der Bahn und ihre sämtlichen Befürworter davon recht wenig zu haben – sonst würden sie dieses Wahnsinnsprojekt nicht so mit aller Gewalt versuchen durchzuprügeln – im wahrsten Sinne des Wortes wie man an den Ereignissen im Schlosspark sehen kann.

Das bringt mich dazu mal einen Blick zurück zu werfen, wie es damals war – damals konnte man unter webcam.schrem.eu noch alles wunderbar verfolgen, auch als der Widerstand gegen das Milliardengrab noch aus einem kleinen Haufen tapferer Schwabenkrieger bestand, bis es dann mit den Protesten richtig los ging. „Ach das ist doch sinnlos dagegen zu protestieren, da kann man doch eh nichts mehr machen“ – wenn ich das gehört habe konnte ich nur kopfschütteln.
Seit dem eindeutigen Beginn des Widerstandes Februar 2010 habe ich diesen Satz immer und immer wieder gehört und er ist seitdem – ja , oke, ein ganz kleines bisschen wahrer geworden, aber ich würde mich in Anbetracht der dynamischen Entwicklungen nach wie vor hüten ihn auszusprechen.

Wer sich ein ungefähres Bild davon machen will wie es damals zuging kann sich einmal die Fotos anschaun die ich damals gemacht habe:


Der „Schwarze Donnerstag“ am 30.9. hatte ja eigentlich ganz nett angefangen. Ich saß mit einem Bierchen vor dem Rechner und und genoss ganz dekadent meinen freien Tag. Dann bekam ich plötzlich was von einem Aufruhr im Schlosspark mit. „Hey hast du auch vor nachher nach Stuttgart zur Demo zu kommen?“ Demo? War da was? Ist ja grad immer wieder eine. Oh ja, Schlossparkbäume und so. Klingt gut, Handy gezückt und nachgefragt. „Ja kommt her, wir brauchen jeden hier. Und äääh bringt wasserfeste Jacken und Taucherbrillen mit.“
Also, schnell alles eingepackt und ab in die S-Bahn. Vorher nochmal fünf Euro im Automaten verschwunden – sehr schön. Technische Pannen bei der DB, man kennt das ja. Überhaupt scheinen der Bahn oft sehr viele Mittel für optimal technische Ausrüstung – man denke nur mal an Schneenöte und Klimaanlagen sowie einsame Minimal-Bahnhöfe – kompetenten Service und zuverlässiges Personal zu fehlen. Aber finanziell nachzuhelfen traut man sich da natürlich nicht – die könnten es ja unnötig in Stuttgart verbuddeln. Passend dafür tauchten ja auch schon überall in Stuttgart Spendenbehälter auf – Gullideckel mit einem Pfeil und dem Bittstellerhinweis „8 Milliarden für Stuttgart 21″.

(Wie man sowas am besten angeht erklärt Jean Pütz hier übrigens wunderbar:
)

Ich erinnere mich noch wie gestern an den Tag als wir dort waren, inmitten lauter Wutbürger und Berufsdemonstranten. Wasserwerfer habe ich leider keinen abgekriegt, da hatte ein 70-jähriger Rentner mehr Glück, für den sich nach seiner Aussage alleine deswegen das Herkommen gelohnt hatte. Muss schon ein tolles Erlebnis sein mit 70 nochmal so ordentlich vom Staat die Wasserspritze zu bekommen. Finanzspritzen sind ja dann eher für Unternehmen. Umso mehr hängen geblieben sind bei mir die Aufnahmen von damals. Ich kriege heute noch eine Gänsehaut wenn ich sie mir ansehe. Als die Polizei dann mit ihrem provokanten Großaufgebot anrückte kochte die Stimmung über, es war verdammt schwer nicht die Absperrung niederzureißen und in die feindlichen Reihen zu brechen. Und da regt sich die BILD-Zeitung über ein paar ge(f)logene Kastanien auf… unglaublich.

(Siehe hier:
http://www.focus.de/politik/deutschland/streit-um-eskalation-in-stuttgart-kastanien-statt-pflastersteine_aid_557937.html
http://www.bild.de/politik/2010/politik/protest-kastanien-bei-ebay-zu-ersteigern-14314500.bild.html)

Danach war plötzlich eine überraschende Wendung eingetreten. Plötzlich war unsere Hauptstadt in aller Munde, überall geisterten die Fotos und Videos von dieser Nacht durchs Netz und die Diskussion schlug ungeahnte Wellen. Am berühmtesten wurde das Bild mit dem verängstigten Mädchen das auf dieser Seite zu sehn ist: http://www.fakeblog.de/2010/10/06/stuttgart-21-am-30092010-von-schlagwortern-und-schlagstocken/
(sehr guter Blogbeitrag zum Thema übrigens, hab ihn gleich mitverlinkt)

Und hier noch ein paar andere Alternativkonzepte neben K21:
http://www.youtube.com/watch?v=sIBWGfxEh5M
http://www.brezel.me/wp-content/uploads/2010/09/Baggersee_21.jpg
Baggersse 21 dürfte übrigens auch bald verwirklicht werden wenn uns dann doch beim Tunnelbaun der Boden unter den Füßen wegbricht und das Grundwasser hochkommt… ;)

Kritiker unseres Widerstandes beschwerten sich damals, es ginge ja gar nicht mehr darum ob der Bahnhof gebaut wird oder nicht. Das war auch nicht ganz falsch, es ging nämlich um weitaus wichtigere Dinge wie demokratische, soziale und wirtschaftspolitische Prinzipien. Und die trafen sich nun mal genau an diesem Banhof, wo sich sonst auch in einem wunderbaren System Züge aus ganz Europa trafen, und was auch in Zukunft so bleiben sollte.

Trotz Geißlers vermurkster Schlichtung des Konfliktes, gemäßigtem Umschwung der öffentlichen Meinung und mehreren gar nicht mal so schlecht geglückten – aber dennoch aufgeflogenen – Versuchen der Bahn weitere Kosten und Risiken zu vertuschen, blieb das Thema in Stuttgart auch noch sehr lange aktuell. Mal ein paar Meldungen aus den Stuttgarter Nachrichten:

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.grossdemo-in-stuttgart-stuttgart-21:-abschalten-abwaehlen-oben-bleiben.a1bdc0ca-d29f-495b-9e86-509ee1980567.html
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-bahn-pruefer-korrigieren-mappus.1aa8f858-29cc-4fc8-825c-6fc9519d9f28.html
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-neue-studie-sorgt-fuer-zuendstoff.48d11ac1-479a-4742-851c-dc0e3c910e9e.html

Mappus scheint ja ohnehin in letzter Zeit total am Rad zu drehen. Der jüngste Atomschock in Japan, bei dem der Schock über die Auswirkungen sogar noch schneller war als die Gammastrahlen aus Fukushima (die wir in Europa wohl offensichtlich auch bald abkriegen), der Druck über den Widerstand des eigenen Volkes und jüngste Entlarvungen fragwürdiger Aktionen wie bei der EnBW (siehe hier) machen ihm offenbar zu schaffen. Meiner Meinung nach vollkommen zurecht.


http://www.vorwaerts.de/blogs/stefan-mappus-was-fuer-eine-flasche
Anmerkung: Wir sollten den Aufstand 2011 von Jägermeister sponsorn lassen. Ach halt ne, dann rebellieren noch die Veganer… ;-)

So auch jüngst seine Angriffe gegen Schuster – die im Strudel der Skandale irgendwie völlig untergegangen sind. Da frage ich mich warum der Kerl immer noch so beliebt bei vielen Bürgern ist. Naja, auf der anderen Seite hagelt es seit Monaten Sprüche wie „Mappeschwappe Schweinebacke“ „Mappus weg(X-en)/absägen“ „Keine Laufzeitverlängerung für Atomappus“ „Nein zur Mappet-Show“ – hoffen wir das Beste. Es bleibt spannend.

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.pragsattel-parkschuetzer-schalten-wahlwerbespot.d931ebdd-5984-406a-9122-325e16f9047d.html
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.landtagswahl-hohe-wahlbeteiligung-erwartet.4dc8983c-797f-46e8-af6a-51d7d099c458.html
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/landtagswahl/ergebnisse?deeplink=survey_sunday

Ich werde im Verlauf des Abends oder morgen mal die übrigen Fotos aus den Widerstandsmonaten hochladen, auch vom Parkschützercamp. Wer weitere Fotos oder private Videoaufnahmen vom 30.9. will schreibt bitte eine Email an fidix @ gmx.net.

Hier übrigens noch ein potenzieller Exilort für Grube, Mappus und Schuster:
http://ecosia.org/maps.php?q=stuttgart%2021
http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=Stuttgart+21,+Arica,+Chile&aq=0&sll=51.151786,10.415039&sspn=12.385811,28.256836&ie=UTF8&hq=&hnear=Stuttgart,+Arica,+Chile&z=16
Wobei ich Chile da echt prima finde :) Da gibts auch reichlich Bergwerke für euch unter der Erde… sind allemal sinnvoller als Bahnhöfe.

Allen Schwaben kann ich jetzt nur noch ans Herz legen: Oben bleiben und morgen wählen! Am besten abwählen. Und bei allem Tumult nicht vergessen dass es auch woanders dramatische Wendungen gibt. In Ägypten, Tunesien, Lybien. Auch die dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.

Weils einfach so schön markant ist…

„What the fuck? You came to fucking Romania to learn about german culture? How fucked is this? I teach in romania universitiy für 3 years and I think you are stupid germans. Show some fucking respect and don‘t search for your fucking roots in this country…I like you.“

(Julian: „Sicher mein Lieblingszitat aus Rumänien.“)



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