Archiv für August 2010

Schlechte Wietze, aber leider real…

Heute nacht konnte ich kaum schlafen. Und das lag leider nicht an dem Sternschnuppen die ich theoretisch beobachten könnte (wenn wohl etwas weniger Wolken am Himmel gewesen wären), sondern an einer Nachricht vor der ich mich jetzt wochenlang gefürchtet hatte und die mich nun leider sehr überraschend getroffen hat. Ich frage mich wirklich was falsch läuft in dieser Gesellschaft. Und fast fühle ich mich machtlos dagegen irgendetwas tun zu können.

Und zwar geht es um das Gelände bei Wietze auf dem bald ein riesiger Geflügelschlachthof entstehen soll.

Für die die sich für die Details interessieren:
Offizieller Besetzerblog
Bericht bei Frontal21
Hier das Interview mit Anna
Noch ein Bericht bei der Süddeutschen

Mal abgesehen von dem sinnlosen Massenschlachten das ja angeblich „humaner“ für die Hühner ist als direkte Schlachtungen (bei dem Überangebot an Hühnerkadavern auf dem Markt ist das völliger Quatsch weil einfach mehr „Hähnchen“ produziert werden als benötigt…) ist das Projekt an sich der reine Wahnsinn. Die Gegend in die das Ding gebaut werden soll ist eine der schönsten die ich bisher besucht habe und dort soll nicht nur eine Schlachtanlage gebaut werden sondern auch die entsprechenden Mastanlagen. Von der vielen Lärm- und Geruchsbelästigung (auch durch die Tiertransporter) müssen wir erst gar nicht anfangen. Sowas stört eine Firma Rothkötter natürlich nicht wenn es darum geht irgendwo Profit herauszuholen, denn nichts anderes wird dieser Wahnsinn letztendlich bringen.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt dabei übrigens auch die Gemeinde Wietze. Eine breite Rückendeckung wie bei den Protesten gegen Stuttgart 21 (Bericht folgt!) fehlt in Wietze leider. Dem Großteil der Bevölkerung ist es offensichtlich egal wenn ihre Heimat zerstört wird. Dazu muss man aber noch erwähnen dass lange Zeit von dem Projekt niemand gewusst hatte bis der Bürgermeister plötzlich mit Bravour das Ding abgesegnet hat und der Bundespräsident die Gemeinde (bevor überhaupt irgendwas sicherstand bzw erst gebaut wurde!) dazu gratuliert hat. Merkwürdig, da könnte man fast damit zusammenhängende Freundschaften zwischen korrupten niedersächsischen Bonzen und Politikern vermuten. Wen ich damit meine sage ich natürlich nicht ;)

Die Zeit im Camp war aber wirklich cool :D vor allem die Zelte waren richtig schön und zwischen Wald, Fluss und brachem Weizenfeld als Selbstversorger zu leben hat schon was! Schöne Erinnerungen an Lagerfeuerabende, Schwimmspaß und ein lebendiges Miteinander sind da mitinbegriffen. Ich kann mich erinnern die meiste Zeit nur am Buddeln gewesen zu sein. Das großartigste war wohl der Brunnen den wir konstruiert haben :) es ist auch unglaublich mit welcher Einsatzbereitschaft die Menschen dort hinter ihrer Sache gestanden haben. Wir haben tagelang an Barrieren geschuftet für die es um wenige Minuten Schutzeffekt ging. Ich vermisse die Zeit dort wirklich.

Aber das Camp existiert nicht mehr. Es wurde plattgemacht von Baggern und Dummheit. Was bleibt, ist der Wahnsinn, der in Wietze bald Realität werden könnte. 134 Millionen Hühner pro Jahr und das nur – wirklich NUR – damit eine Firma wie Rothkötter auf dem Geflügelmarkt im Machtkampf mit anderen Unternehmen vorankommen kann.

Leute, lasst nicht zu dass das Ding dort gebaut wird! Rothkötter darf nicht gewinnen. Und wenn wir jetzt das Richtige tun – das wird er das auch nicht. Denn denen geht es um Geld und Geld ist begrenzt und kontrollierbar – Idealismus nicht. In der Hinsicht haben wir die besseren Waffen!

Die etwas andere Reise zum Klausenhof im Schwarzwald

Ich dachte dass ich so langsam mal anfange meine wie jedes Jahr höchst amüsanten Reiseerlebnisse aufzuschreiben. Eine der verrücktesten Erinnerungen ist die an meine aufregende Schwarzwaldfahrt zum Klausenhof, den Lampi und andere Leute der Fahrtgemeinschaft Artaban kürzlich erworben hatten. Lampi hatte mir wider Erwarten nicht Bescheid gegeben dass diese Woche dort wieder ein Treffen stattfand und war offenbar recht kurzfristig aufgebrochen. Also entschloss ich mich, ebenso spontan in den Schwarzwald zu fahren und den Klausenhof aufzusuchen. Ich bin allerdings gleich an einem Tag fünfmal dorthin gefahren – kling jetzt komisch, aber das geht durchaus! Und im Folgenden erzähle ich, wie!

Ich wusste dass der Klausenhof sich in Lenzkirch bei Neustadt-Titisee befand und ich von Stuttgart am besten mit dem Auto dort hin fuhr. Mitfahrzentrale kontaktier, ganz genau einen Fahrer gefunden der früh genug fuhr (7 Uhr, die anderen erst nach 10!) und noch einen einzigen Platz im Zweisitzer freihatte! Wie als hätte er auf mich gewartet! ;)

So fahren wir also die Autobahn nach Süden und bogen schließlich Richtung Freiburg ab. Dort lasse ich mich in Ns-Ts absetzen und losgetrampt nach Lenzkirch. Werde auch sofort von einer netten Frau mitgekommen, Freude hoch zehn, Tag erstmal gerettet!
Es gibt anscheinend mehrere Klausenhöfe in Lenzkirch und ich war mir sicher, dass es sich dabei um den im Ortsteil Grünwald handelte. Dort fuhr sie auch etwa zwei Kilometer vorbei. Also raus aus dem Auto, Rucksack gepackt und frohgemut mit der Trommel in die Pampa spaziert. Dabei muss ich irgendwann ins Gehölz ausweichen weil die Sonne wirklich nicht mehr zu ertragen ist. „Zum Klausenhof?“ fragt mich der Postbote. „Na da gehe Sie da drüben noch de Straße lang und nach einem Kilometer kommt erst der kleine Klausenhof und dann der große.“
Nach einer Weile komme ich an einer baufälligen Villa an, die zwar sehr schön ist, nur von menschlichem Leben keine Spur. Besonders faszinierend die Hütte im Gebüsch von der nur noch das Dach nicht vom Gebüsch überwuchert wurde. Das zweite Haus kommt einige hundert Meter dahinter wo mich eine telefonierende Frau freundlich am Fenster empfängt. Nein, Artaban hat sie noch nie gehört und hier sind auch keine Leute, davon wüsste sie. Vielleicht meine ich ja den Klausenhof in Lenzkirch-Saig? Ich grüße sie freundlich zum Abschied auch wenn ich innerlich grummel wie ein hungriger Bär und marschiere weiter zur Straße um mich nach Saig durchzuschlagen. Nur zum Sumbeln und Quelltrinken halte ich an und bemühe mich dann rechtzeitig wieder ein Stück Zivilisation zu finden – und natürlich den ollen Hof.

Auf dem Weg kommt ein unerwarteter Anruf von einer hilfsbereiten Mutter deren Sohn da ist wo ich hinwill. Der Klausenhof ist gar nicht in Lenzkirch sondern hinter Waldkirch bei Freiburg. Gut zu wissen, freue ich mich mit einem winzigen Hauch von Sarkasmus. Da bleibt also nur eins, ruckzuck nach Freiburg und zusehen dass ich heute noch ankomme.

Also ab an die Straße, Daumen raus und zurück nach Titisee! Werde auch gleich von einem netten Kerl mit langen weißen Haaren eingesammelt, der mich bis zum Bahnhof mitnimmt. Während der Fahrt höre ich allerhand über die Sorgen die man hier auf dem Dorf so hat. Die Wirtschaftskrise kommt erst noch und dann ist irgendwann Bürgerkrieg – 20 Millionen Ausländer gegen Deutschland. Aber immerhin liegen wir gut in der Zeit.
Ich verabschiede mich freundlich und finde am Bahnhof eine jugendliche Gruppe von zwei Jungs und zwei Mädels die sich natürlich über Verstärkung für ihr Ticket freuen und mit denen ich während der Fahrt lustige Gespräche über Musik und Liebe habe. In Freiburg steige ich dann wieder in den Zug nach Elzach ein und als ich endlich im richtigen Bus sitze schlafe ich glatt ein – naja, endlich aber hält der Bus an der Haltestelle wo der Klausenhof ist. Ich springe, inzwschen wieder quicklebendig, aus dem Bus und klingel an der Tür des Hofes. Ein älterer Herr in Unterhose erscheint am Fenster und weiß nichts von Artaban oder irgendwelchen Leuten die hier sein sollen. Aber es gibt ja nochmal einen Klausenhof hier, irgendwo hinter der Stadt in der Pampa.

Ich trabe los, die Schultern tun inzwischen entsetzlich weh und die Füße machen auch nicht mehr wirklich mit. Aber egal, ich bin kurz vorm Ziel und der fünfte Klausenhof kann es nun ja nur noch sein.
Auf dem Rückweg in die Stadt dann der rettende Anruf auf mein Handy! Es IST der richtige und sie können mich an der Tankstelle abholen. Ich werde schneller und haue ab und zu auf die Trommel um mich bei der Stange zu halten. Tankstelle? „Die finde Se immer in die Richtung, noch etwa 500 Meter!“ Ich laufe und laufe und laufe. „Die Tankstelle? Da sind Se ned mehr weit davon entfernt, s isch etwa noch n halber Kilometer.“ Soviel also zur Entfernung^^ Keine Tankstelle kommt, aber die Hoffnung stirbt zuletzt! Die dritte Frau die ich frage ob die Tankstelle da noch irgendwann kommt meint es seien noch so 700 Meter. Auf meinen verwunderten Einwand entgegnet sie: „Nene das sind mindestens noch 700 in die Richtung!“ – Naja, aber mich kann heute nichts mehr schocken. Als ich endlich dort ankomme fährt mir schließlich das lang ersehnte Auto entgegen. Wenn mir nicht alles so wehtun würde könnte ich Freudensprünge machen. Endlich am Hof angekommen und immerhin noch zwei Stunden Geselligkeit treffe ich einen Entschluss: wenn es mich das nächste Mal in den Schwarzwald verschlagen sollte und ich genug Leute dabei habe weiß ich schon was wir machen:

Tour de Klausenhöf ‘ !

Genug schöne Erlebnisse und Sehenswürdigkeiten auf der Strecke hatte ich ja (unfreiwillig) kennenlernen können :D

*nachdenklich*

Treffen sich zwei Planeten, sagt der eine:
„Na sag mal, was ist denn mit dir los? Du siehst ja total krank aus?“
„Ach“, sagt der andere, „ich hab Homo sapiens, ne ganz schlimme Geschichte.“
„Ach so“, erwidert der andere, „das hatte ich auch mal. Keine Angst, das geht schnell vorbei.“

(neulich irgendwo gefunden)

Sommersonnenwende mal anders

Es begab sich am 22.7.2010. Normalerweise rein astronomisch ein recht spätes Datum um Sonnenwende zu feiern. Wir hatten aber bereits am Wochenende eine im kleinen Rahmen hinter uns und nun stand noch eine in der Nähe von Esslingen an, auf dem selben schön gestalteten Grundstück wo wir im Winter zuvor schon einige sehr kalte, aber auch schöne Stunden verbracht haben (wenn ich mich da an den legendären Eintopf erinnere den wir bei -20° tiefgefroren vom Grillrost geholt haben…*g*)
Naja, dieses Mal hatten wir entsprechend weniger Leute erwartet. Also ein schönes Ritual im kleinen Kreis bei einem zünftigen Feuer. Aber wir täuschten uns. Es kam ganz anders.

Das Mädchen mit dem ich hinfahren wollte leidet seit Jahren an einer Krankheit, die in ihr eine schwere Lähmung auslöst. Vor zwei Jahren konnte sie immerhin noch mit Krücken gehen – nun aber sitzt sie im Rollstuhl und ist auf Hilfe hingewiesen. Da sie auch noch in einem Hochhaus mit halbem Aufzug wohnt (der ist ironischerweise nur über Treppen zu erreichen) gestaltet sich das entsprechend schwierig und umso trauriger fand ich es bisher, dass ich nur am Telefon oder Fenster mit ihr reden konnte. Bereits unsere gemeinsame Fahrt zu Ostara war nun daran gescheitert, dass wir vergeblich vor ihrer Haustüre darauf gewartet hatten, nur um dann zu hören dass sie es nicht schafft.
Und dieses Mal war es fast wieder so weit. Trotz enormer Verzögerung stand ich rechtzeitig vor ihrer Haustür und hielt den Atem an. Natürlich hatte sie mir fest versprochen dieses Mal mitzukommen. Und natürlich hatte sie sich wieder sehr schwach gefühlt, kleine Zusammenbrüche und erhöhtes Lähmungserscheinen…man kennt es ja. Nun, nachdem sie mir am Handy sozusagen schon die resignierte Absage erteilt hatte konnte ich sie dazu überreden wenigstens zu ihr hochzukommen und sie nach Jahren mal wieder aus direkter Nähe sehen zu können. Mein erster Gedanke beim Betreten der Wohung war die Erkenntnis, warum sie sich seit Monaten gesträubt hatte Besuch von mir zu empfangen und ein starkes Nachvollziehen ihrer inneren Probleme, denn wenn ich in dieser Wohnung auf Dauer gefangen wäre wie sie es nun ja leider ist, würde ich auch durchdrehen. Also war der Fall klar – sturbleiben und zusehen dass wir wegkommen. Nachdem ich eine Weile ihre Hand gehalten hatte, sie sich hochgestemmt und wir sie mit Mühe und Not die Treppen heruntergeschleppt, konnten wir auf der Straße zwei Leute aufgreifen – laut ihrer Aussage die ersten die sie seit zwei Jahren gesehen hatte – die uns ins Auto halfen. Mein nächster Gedanke wie wir sie auf dem Godenhügel in der Pampa fortbewegen konnten, denn das Gelände ist weder für Autoräder noch Rollstühle sonderlich optimal.
Im Licht der späten Sonne brausten wir dann mit dem VW-Bus über die B27, Menhir, Warduna und Omnia aus dem Autoradio und voller Freude dass wir es endlich mal geschafft hatten. Und die Hauptsache: ich merkte wie sie aufblühte, voller Freude aus dem Fenster blickte und über die kommende Feier sinnierte. Vor allem aber hatten wir endlich mal wieder die Zeit intensiv über alles zu reden was uns bedrückte.
Umso größer die Begeisterung als wir endlich in Esslingen ankamen und uns durch die Außenkäffer wühlen mussten. Dann die Krönung als wir in unserer irrenden Verzweiflung unseren Freund dort anriefen: Niemand da am Gelände – und er selbst natürlich mit Bindehautentzündung daheim. Toll. Und dafür waren wir jetzt eine Stunde unterwegs. Aufgeben wollten wir nicht, aber am Gelände war wirklich niemand, auch nicht als wir schließlich dort ankamen. Enttäuschung machte sich breit. Ich schlug vor zu unserem Freund zu fahren und dort eine Pause zu machen, in der Hoffnung vom Rest doch noch jemand zu erreichen.
Und so aßen wir gemeinsam zu Abend, hörten keltisches Radio und redeten über allerhand, während wir endlich erfuhren dass die Leute mit denen wir feiern wollten an dem Tag zu erschöpft gewesen waren nach ihren Aktivitäten um sich noch auf ein Sonnenfeuer einzulassen. Das Mädchen allerdings wirkte so quicklebendig wie lange nicht mehr und nachdem wir beschlossen hatten, wieder nach Hause zu fahren, packten wir zusammen und gingen zum Auto zurück. Faszinierend war nur dass sie, die vorhin noch wie ein schweres Gepäckstück die Treppen herabgezogen werden musste, nun plötzlich von alleine aus dem Rollstuhl aufstand und zur Verblüffung aller in die Beifahrerkabine kraxelte, quicklebendig und gut gelaunt. So rollten wir mit unserem Bus gemütlich durch die Nacht zurück und als wir daheim ankamen blieben wir bis Sonnenaufgang auf und schließlich brachte ich sie wieder nach Hause bevor ich noch ein paar besinnliche Stunden alleine auf dem Feld verbrachte.
Als ich dann schließlich auf meinem Bett zusammenklappte, wusste ich, dass es, auch wenn die Feier nun ausgefallen war, es mindestens eine Sache gab, für die sich der ganze Aufwand wirklich gelohnt hatte – und diese Sonnenwende die schönste meines Lebens war. Es muss nicht immer ein großes Fest mit Feuer und Riten sein. ;)

„Komm wir fliegen durch die Nacht und lassen unsere Träume rollen.
Wir funktionieren niemals so, wie wir es eigentlich sollen.
Wir respektieren nur unser Gefühl,
unsere Tränen sind unsere Macht.
Und wenn das die Spießer nicht kapieren
verbrennen wir ihnen die Nacht.

Wenn uns unsre Alten fragen, wo wir heute Abend sind,
sagen wir: „Wir sind im 7. Himmel, in der 7. Hölle.“
Vor Freude weint der Wind.“
(AufBruch)




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