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BaWü2011 – Von Tiefbahnhöfen, Landtagswahlen, Atomlaufzeiten und anderen Ungeheuerlichkeiten

Als ich an einem Morgen mal wieder genervt in der S-Bahn saß, die seit 10 Minuten im Gleisvorfeld von Stuttgart feststeckte, der zweiten Anschluss-S-Bahn zuwinkte und diese Tatsache mit dem ironischen Kommentar „…aber mit dem neuen Tiefbahnhof wird ja alles besser“ mit dem Notbook ins Wastebook schickte, erntete ich diesen schönen zynischen Kommentar. „das sind eben die Nachteile eines Kopfbahnhofs“ – ein Treffer sondergleichen mitten ins Fettnäpfchen, denn der Herr hatte offenbar keine Ahnung von den Stuttgarter Verhältnissen und der auch ohne S21 durchgetunnelten S-Bahn. Naja, überhaupt scheinen die zugeständigen Planer der Bahn und ihre sämtlichen Befürworter davon recht wenig zu haben – sonst würden sie dieses Wahnsinnsprojekt nicht so mit aller Gewalt versuchen durchzuprügeln – im wahrsten Sinne des Wortes wie man an den Ereignissen im Schlosspark sehen kann.

Das bringt mich dazu mal einen Blick zurück zu werfen, wie es damals war – damals konnte man unter webcam.schrem.eu noch alles wunderbar verfolgen, auch als der Widerstand gegen das Milliardengrab noch aus einem kleinen Haufen tapferer Schwabenkrieger bestand, bis es dann mit den Protesten richtig los ging. „Ach das ist doch sinnlos dagegen zu protestieren, da kann man doch eh nichts mehr machen“ – wenn ich das gehört habe konnte ich nur kopfschütteln.
Seit dem eindeutigen Beginn des Widerstandes Februar 2010 habe ich diesen Satz immer und immer wieder gehört und er ist seitdem – ja , oke, ein ganz kleines bisschen wahrer geworden, aber ich würde mich in Anbetracht der dynamischen Entwicklungen nach wie vor hüten ihn auszusprechen.

Wer sich ein ungefähres Bild davon machen will wie es damals zuging kann sich einmal die Fotos anschaun die ich damals gemacht habe:


Der „Schwarze Donnerstag“ am 30.9. hatte ja eigentlich ganz nett angefangen. Ich saß mit einem Bierchen vor dem Rechner und und genoss ganz dekadent meinen freien Tag. Dann bekam ich plötzlich was von einem Aufruhr im Schlosspark mit. „Hey hast du auch vor nachher nach Stuttgart zur Demo zu kommen?“ Demo? War da was? Ist ja grad immer wieder eine. Oh ja, Schlossparkbäume und so. Klingt gut, Handy gezückt und nachgefragt. „Ja kommt her, wir brauchen jeden hier. Und äääh bringt wasserfeste Jacken und Taucherbrillen mit.“
Also, schnell alles eingepackt und ab in die S-Bahn. Vorher nochmal fünf Euro im Automaten verschwunden – sehr schön. Technische Pannen bei der DB, man kennt das ja. Überhaupt scheinen der Bahn oft sehr viele Mittel für optimal technische Ausrüstung – man denke nur mal an Schneenöte und Klimaanlagen sowie einsame Minimal-Bahnhöfe – kompetenten Service und zuverlässiges Personal zu fehlen. Aber finanziell nachzuhelfen traut man sich da natürlich nicht – die könnten es ja unnötig in Stuttgart verbuddeln. Passend dafür tauchten ja auch schon überall in Stuttgart Spendenbehälter auf – Gullideckel mit einem Pfeil und dem Bittstellerhinweis „8 Milliarden für Stuttgart 21″.

(Wie man sowas am besten angeht erklärt Jean Pütz hier übrigens wunderbar:
)

Ich erinnere mich noch wie gestern an den Tag als wir dort waren, inmitten lauter Wutbürger und Berufsdemonstranten. Wasserwerfer habe ich leider keinen abgekriegt, da hatte ein 70-jähriger Rentner mehr Glück, für den sich nach seiner Aussage alleine deswegen das Herkommen gelohnt hatte. Muss schon ein tolles Erlebnis sein mit 70 nochmal so ordentlich vom Staat die Wasserspritze zu bekommen. Finanzspritzen sind ja dann eher für Unternehmen. Umso mehr hängen geblieben sind bei mir die Aufnahmen von damals. Ich kriege heute noch eine Gänsehaut wenn ich sie mir ansehe. Als die Polizei dann mit ihrem provokanten Großaufgebot anrückte kochte die Stimmung über, es war verdammt schwer nicht die Absperrung niederzureißen und in die feindlichen Reihen zu brechen. Und da regt sich die BILD-Zeitung über ein paar ge(f)logene Kastanien auf… unglaublich.

(Siehe hier:
http://www.focus.de/politik/deutschland/streit-um-eskalation-in-stuttgart-kastanien-statt-pflastersteine_aid_557937.html
http://www.bild.de/politik/2010/politik/protest-kastanien-bei-ebay-zu-ersteigern-14314500.bild.html)

Danach war plötzlich eine überraschende Wendung eingetreten. Plötzlich war unsere Hauptstadt in aller Munde, überall geisterten die Fotos und Videos von dieser Nacht durchs Netz und die Diskussion schlug ungeahnte Wellen. Am berühmtesten wurde das Bild mit dem verängstigten Mädchen das auf dieser Seite zu sehn ist: http://www.fakeblog.de/2010/10/06/stuttgart-21-am-30092010-von-schlagwortern-und-schlagstocken/
(sehr guter Blogbeitrag zum Thema übrigens, hab ihn gleich mitverlinkt)

Und hier noch ein paar andere Alternativkonzepte neben K21:
http://www.youtube.com/watch?v=sIBWGfxEh5M
http://www.brezel.me/wp-content/uploads/2010/09/Baggersee_21.jpg
Baggersse 21 dürfte übrigens auch bald verwirklicht werden wenn uns dann doch beim Tunnelbaun der Boden unter den Füßen wegbricht und das Grundwasser hochkommt… ;)

Kritiker unseres Widerstandes beschwerten sich damals, es ginge ja gar nicht mehr darum ob der Bahnhof gebaut wird oder nicht. Das war auch nicht ganz falsch, es ging nämlich um weitaus wichtigere Dinge wie demokratische, soziale und wirtschaftspolitische Prinzipien. Und die trafen sich nun mal genau an diesem Banhof, wo sich sonst auch in einem wunderbaren System Züge aus ganz Europa trafen, und was auch in Zukunft so bleiben sollte.

Trotz Geißlers vermurkster Schlichtung des Konfliktes, gemäßigtem Umschwung der öffentlichen Meinung und mehreren gar nicht mal so schlecht geglückten – aber dennoch aufgeflogenen – Versuchen der Bahn weitere Kosten und Risiken zu vertuschen, blieb das Thema in Stuttgart auch noch sehr lange aktuell. Mal ein paar Meldungen aus den Stuttgarter Nachrichten:

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.grossdemo-in-stuttgart-stuttgart-21:-abschalten-abwaehlen-oben-bleiben.a1bdc0ca-d29f-495b-9e86-509ee1980567.html
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-bahn-pruefer-korrigieren-mappus.1aa8f858-29cc-4fc8-825c-6fc9519d9f28.html
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-neue-studie-sorgt-fuer-zuendstoff.48d11ac1-479a-4742-851c-dc0e3c910e9e.html

Mappus scheint ja ohnehin in letzter Zeit total am Rad zu drehen. Der jüngste Atomschock in Japan, bei dem der Schock über die Auswirkungen sogar noch schneller war als die Gammastrahlen aus Fukushima (die wir in Europa wohl offensichtlich auch bald abkriegen), der Druck über den Widerstand des eigenen Volkes und jüngste Entlarvungen fragwürdiger Aktionen wie bei der EnBW (siehe hier) machen ihm offenbar zu schaffen. Meiner Meinung nach vollkommen zurecht.


http://www.vorwaerts.de/blogs/stefan-mappus-was-fuer-eine-flasche
Anmerkung: Wir sollten den Aufstand 2011 von Jägermeister sponsorn lassen. Ach halt ne, dann rebellieren noch die Veganer… ;-)

So auch jüngst seine Angriffe gegen Schuster – die im Strudel der Skandale irgendwie völlig untergegangen sind. Da frage ich mich warum der Kerl immer noch so beliebt bei vielen Bürgern ist. Naja, auf der anderen Seite hagelt es seit Monaten Sprüche wie „Mappeschwappe Schweinebacke“ „Mappus weg(X-en)/absägen“ „Keine Laufzeitverlängerung für Atomappus“ „Nein zur Mappet-Show“ – hoffen wir das Beste. Es bleibt spannend.

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.pragsattel-parkschuetzer-schalten-wahlwerbespot.d931ebdd-5984-406a-9122-325e16f9047d.html
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.landtagswahl-hohe-wahlbeteiligung-erwartet.4dc8983c-797f-46e8-af6a-51d7d099c458.html
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/landtagswahl/ergebnisse?deeplink=survey_sunday

Ich werde im Verlauf des Abends oder morgen mal die übrigen Fotos aus den Widerstandsmonaten hochladen, auch vom Parkschützercamp. Wer weitere Fotos oder private Videoaufnahmen vom 30.9. will schreibt bitte eine Email an fidix @ gmx.net.

Hier übrigens noch ein potenzieller Exilort für Grube, Mappus und Schuster:
http://ecosia.org/maps.php?q=stuttgart%2021
http://maps.google.de/maps?f=q&source=s_q&hl=de&geocode=&q=Stuttgart+21,+Arica,+Chile&aq=0&sll=51.151786,10.415039&sspn=12.385811,28.256836&ie=UTF8&hq=&hnear=Stuttgart,+Arica,+Chile&z=16
Wobei ich Chile da echt prima finde :) Da gibts auch reichlich Bergwerke für euch unter der Erde… sind allemal sinnvoller als Bahnhöfe.

Allen Schwaben kann ich jetzt nur noch ans Herz legen: Oben bleiben und morgen wählen! Am besten abwählen. Und bei allem Tumult nicht vergessen dass es auch woanders dramatische Wendungen gibt. In Ägypten, Tunesien, Lybien. Auch die dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.

Schlechte Wietze, aber leider real…

Heute nacht konnte ich kaum schlafen. Und das lag leider nicht an dem Sternschnuppen die ich theoretisch beobachten könnte (wenn wohl etwas weniger Wolken am Himmel gewesen wären), sondern an einer Nachricht vor der ich mich jetzt wochenlang gefürchtet hatte und die mich nun leider sehr überraschend getroffen hat. Ich frage mich wirklich was falsch läuft in dieser Gesellschaft. Und fast fühle ich mich machtlos dagegen irgendetwas tun zu können.

Und zwar geht es um das Gelände bei Wietze auf dem bald ein riesiger Geflügelschlachthof entstehen soll.

Für die die sich für die Details interessieren:
Offizieller Besetzerblog
Bericht bei Frontal21
Hier das Interview mit Anna
Noch ein Bericht bei der Süddeutschen

Mal abgesehen von dem sinnlosen Massenschlachten das ja angeblich „humaner“ für die Hühner ist als direkte Schlachtungen (bei dem Überangebot an Hühnerkadavern auf dem Markt ist das völliger Quatsch weil einfach mehr „Hähnchen“ produziert werden als benötigt…) ist das Projekt an sich der reine Wahnsinn. Die Gegend in die das Ding gebaut werden soll ist eine der schönsten die ich bisher besucht habe und dort soll nicht nur eine Schlachtanlage gebaut werden sondern auch die entsprechenden Mastanlagen. Von der vielen Lärm- und Geruchsbelästigung (auch durch die Tiertransporter) müssen wir erst gar nicht anfangen. Sowas stört eine Firma Rothkötter natürlich nicht wenn es darum geht irgendwo Profit herauszuholen, denn nichts anderes wird dieser Wahnsinn letztendlich bringen.

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt dabei übrigens auch die Gemeinde Wietze. Eine breite Rückendeckung wie bei den Protesten gegen Stuttgart 21 (Bericht folgt!) fehlt in Wietze leider. Dem Großteil der Bevölkerung ist es offensichtlich egal wenn ihre Heimat zerstört wird. Dazu muss man aber noch erwähnen dass lange Zeit von dem Projekt niemand gewusst hatte bis der Bürgermeister plötzlich mit Bravour das Ding abgesegnet hat und der Bundespräsident die Gemeinde (bevor überhaupt irgendwas sicherstand bzw erst gebaut wurde!) dazu gratuliert hat. Merkwürdig, da könnte man fast damit zusammenhängende Freundschaften zwischen korrupten niedersächsischen Bonzen und Politikern vermuten. Wen ich damit meine sage ich natürlich nicht ;)

Die Zeit im Camp war aber wirklich cool :D vor allem die Zelte waren richtig schön und zwischen Wald, Fluss und brachem Weizenfeld als Selbstversorger zu leben hat schon was! Schöne Erinnerungen an Lagerfeuerabende, Schwimmspaß und ein lebendiges Miteinander sind da mitinbegriffen. Ich kann mich erinnern die meiste Zeit nur am Buddeln gewesen zu sein. Das großartigste war wohl der Brunnen den wir konstruiert haben :) es ist auch unglaublich mit welcher Einsatzbereitschaft die Menschen dort hinter ihrer Sache gestanden haben. Wir haben tagelang an Barrieren geschuftet für die es um wenige Minuten Schutzeffekt ging. Ich vermisse die Zeit dort wirklich.

Aber das Camp existiert nicht mehr. Es wurde plattgemacht von Baggern und Dummheit. Was bleibt, ist der Wahnsinn, der in Wietze bald Realität werden könnte. 134 Millionen Hühner pro Jahr und das nur – wirklich NUR – damit eine Firma wie Rothkötter auf dem Geflügelmarkt im Machtkampf mit anderen Unternehmen vorankommen kann.

Leute, lasst nicht zu dass das Ding dort gebaut wird! Rothkötter darf nicht gewinnen. Und wenn wir jetzt das Richtige tun – das wird er das auch nicht. Denn denen geht es um Geld und Geld ist begrenzt und kontrollierbar – Idealismus nicht. In der Hinsicht haben wir die besseren Waffen!

Sommersonnenwende mal anders

Es begab sich am 22.7.2010. Normalerweise rein astronomisch ein recht spätes Datum um Sonnenwende zu feiern. Wir hatten aber bereits am Wochenende eine im kleinen Rahmen hinter uns und nun stand noch eine in der Nähe von Esslingen an, auf dem selben schön gestalteten Grundstück wo wir im Winter zuvor schon einige sehr kalte, aber auch schöne Stunden verbracht haben (wenn ich mich da an den legendären Eintopf erinnere den wir bei -20° tiefgefroren vom Grillrost geholt haben…*g*)
Naja, dieses Mal hatten wir entsprechend weniger Leute erwartet. Also ein schönes Ritual im kleinen Kreis bei einem zünftigen Feuer. Aber wir täuschten uns. Es kam ganz anders.

Das Mädchen mit dem ich hinfahren wollte leidet seit Jahren an einer Krankheit, die in ihr eine schwere Lähmung auslöst. Vor zwei Jahren konnte sie immerhin noch mit Krücken gehen – nun aber sitzt sie im Rollstuhl und ist auf Hilfe hingewiesen. Da sie auch noch in einem Hochhaus mit halbem Aufzug wohnt (der ist ironischerweise nur über Treppen zu erreichen) gestaltet sich das entsprechend schwierig und umso trauriger fand ich es bisher, dass ich nur am Telefon oder Fenster mit ihr reden konnte. Bereits unsere gemeinsame Fahrt zu Ostara war nun daran gescheitert, dass wir vergeblich vor ihrer Haustüre darauf gewartet hatten, nur um dann zu hören dass sie es nicht schafft.
Und dieses Mal war es fast wieder so weit. Trotz enormer Verzögerung stand ich rechtzeitig vor ihrer Haustür und hielt den Atem an. Natürlich hatte sie mir fest versprochen dieses Mal mitzukommen. Und natürlich hatte sie sich wieder sehr schwach gefühlt, kleine Zusammenbrüche und erhöhtes Lähmungserscheinen…man kennt es ja. Nun, nachdem sie mir am Handy sozusagen schon die resignierte Absage erteilt hatte konnte ich sie dazu überreden wenigstens zu ihr hochzukommen und sie nach Jahren mal wieder aus direkter Nähe sehen zu können. Mein erster Gedanke beim Betreten der Wohung war die Erkenntnis, warum sie sich seit Monaten gesträubt hatte Besuch von mir zu empfangen und ein starkes Nachvollziehen ihrer inneren Probleme, denn wenn ich in dieser Wohnung auf Dauer gefangen wäre wie sie es nun ja leider ist, würde ich auch durchdrehen. Also war der Fall klar – sturbleiben und zusehen dass wir wegkommen. Nachdem ich eine Weile ihre Hand gehalten hatte, sie sich hochgestemmt und wir sie mit Mühe und Not die Treppen heruntergeschleppt, konnten wir auf der Straße zwei Leute aufgreifen – laut ihrer Aussage die ersten die sie seit zwei Jahren gesehen hatte – die uns ins Auto halfen. Mein nächster Gedanke wie wir sie auf dem Godenhügel in der Pampa fortbewegen konnten, denn das Gelände ist weder für Autoräder noch Rollstühle sonderlich optimal.
Im Licht der späten Sonne brausten wir dann mit dem VW-Bus über die B27, Menhir, Warduna und Omnia aus dem Autoradio und voller Freude dass wir es endlich mal geschafft hatten. Und die Hauptsache: ich merkte wie sie aufblühte, voller Freude aus dem Fenster blickte und über die kommende Feier sinnierte. Vor allem aber hatten wir endlich mal wieder die Zeit intensiv über alles zu reden was uns bedrückte.
Umso größer die Begeisterung als wir endlich in Esslingen ankamen und uns durch die Außenkäffer wühlen mussten. Dann die Krönung als wir in unserer irrenden Verzweiflung unseren Freund dort anriefen: Niemand da am Gelände – und er selbst natürlich mit Bindehautentzündung daheim. Toll. Und dafür waren wir jetzt eine Stunde unterwegs. Aufgeben wollten wir nicht, aber am Gelände war wirklich niemand, auch nicht als wir schließlich dort ankamen. Enttäuschung machte sich breit. Ich schlug vor zu unserem Freund zu fahren und dort eine Pause zu machen, in der Hoffnung vom Rest doch noch jemand zu erreichen.
Und so aßen wir gemeinsam zu Abend, hörten keltisches Radio und redeten über allerhand, während wir endlich erfuhren dass die Leute mit denen wir feiern wollten an dem Tag zu erschöpft gewesen waren nach ihren Aktivitäten um sich noch auf ein Sonnenfeuer einzulassen. Das Mädchen allerdings wirkte so quicklebendig wie lange nicht mehr und nachdem wir beschlossen hatten, wieder nach Hause zu fahren, packten wir zusammen und gingen zum Auto zurück. Faszinierend war nur dass sie, die vorhin noch wie ein schweres Gepäckstück die Treppen herabgezogen werden musste, nun plötzlich von alleine aus dem Rollstuhl aufstand und zur Verblüffung aller in die Beifahrerkabine kraxelte, quicklebendig und gut gelaunt. So rollten wir mit unserem Bus gemütlich durch die Nacht zurück und als wir daheim ankamen blieben wir bis Sonnenaufgang auf und schließlich brachte ich sie wieder nach Hause bevor ich noch ein paar besinnliche Stunden alleine auf dem Feld verbrachte.
Als ich dann schließlich auf meinem Bett zusammenklappte, wusste ich, dass es, auch wenn die Feier nun ausgefallen war, es mindestens eine Sache gab, für die sich der ganze Aufwand wirklich gelohnt hatte – und diese Sonnenwende die schönste meines Lebens war. Es muss nicht immer ein großes Fest mit Feuer und Riten sein. ;)

„Komm wir fliegen durch die Nacht und lassen unsere Träume rollen.
Wir funktionieren niemals so, wie wir es eigentlich sollen.
Wir respektieren nur unser Gefühl,
unsere Tränen sind unsere Macht.
Und wenn das die Spießer nicht kapieren
verbrennen wir ihnen die Nacht.

Wenn uns unsre Alten fragen, wo wir heute Abend sind,
sagen wir: „Wir sind im 7. Himmel, in der 7. Hölle.“
Vor Freude weint der Wind.“
(AufBruch)

So fühle ich mich jeden Tag…

Vielen Dank an „Aufbruch“ für dieses tolle Lied!

Toastbrot, Matschbananen und Karamalz

Es ist vollbracht!
Seit zwei Wochen wohne ich nun in einer der schönsten Ecken Stuttgarts! Zumindest solange wie ich hier noch zu arbeiten habe, aber ist ja nicht mehr lange ;)
Bis ich die Unterkunft gekriegt habe wars allerdings ein ziemliches Häckmäck. Nicht zuletzt weil gutmeinende Instanzen gute Gründe hatten das Ding nicht zu vermieten, aber ich habe konsequent darauf bestanden dass mir alles lieber ist als 3 Stunden Fahrt am Tag. Zugegeben, ich habe noch nie in meinem Leben kotzende Wasserhähne gesehen (hehe), der Dreck auf dem Boden ist für langhaarige esoterische Studenten-Rocker wie mich (*hust*) die gern barfußgehen denkbar ungeschickt und eine Freundin die neulich zu Besuch war meinte schon scherzhaft um nen SM-Porno zu drehen wäre das die perfekte Atmosphäre in dem Gemäuer (die übrigens auch sofort den Lichtschalter in der Küche gefunden hat, nach dem ich zwei Minuten gesucht habe; typisch Frau!) und mal ehrlich, ne Toilette die einen wegen der niedrigen Decke mit einem Gnickbatschn bestraft wenn man trotz Verbotsschild im Stehen pinkelt hat schon was *g*
Alles in allem hab ich nun keinen Grund mich zu beklagen. Mit meinem Mitbewohner komme ich super aus, mal losgelöst vom Elternhaus zu leben ist ne einigartige Lebenserfahrung und dass ich keinen Stress mehr im Alltag hab ist die Hauptsache. Zumal ich Bäcker, Wald und Bahnhof quasi genau wie die Dienststelle vor der Haustüre hab :)
Heute abend war ich dann gleich mal in der Stadt, habe mich hemmungslos im Bioladen ausgetobt (die Olivenmargarine war ein Fehlkauf!) und dafür auch noch etwa ein Kilo Matschbananen geschenkt bekommen. So nen Service gibts in keinem Supermarkt, da muss man dafür immer extra containern :D zufällig dann auch gleich den Bus nach Hause bekommen und nun sitz ich noch im Zimmer, konsumiere die im Titel genannten Dinge (und dazu noch Wolfenmond und die Dropkick Murphys) und freue mich auf morgen.




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