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Alemannische Visionäre – Albert Hofmann

INHALT
I. Hofmanns Biografie: Ein Leben im alemannischen Hochland
II. Hofmanns Philosophie: Lichtmystik und Sinneserkenntnis
III. Hofmanns Praxis: Eleusis und die Heilung des Abendlandes
IV. Zitate

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I. Hofmanns Biografie: Ein Leben im alemannischen Hochland

Von Albert Hofmann kann man in der Tat als „waschechter Alemanne“ sprechen – geboren im Aargau, als Student in Zürich, berufstätig in Basel und in seinen letzten Lebensjahren auf der Rittimatte im Jura, verbrachte er sein ganzes Leben und Wirken in der Schweiz, das von 1906 bis 2008 immerhin 102 Jahre zählte.

Auf die Frage, wie Hofmann es geschafft hatte, so alt zu werden und selbst im hohen Alter noch gesund und aktiv zu sein (ob er als Chemiker wohl irgendein Wundermittel dazu hatte?), antwortete er einmal, dass er sich bis zum Lebensende eine gewisse Offenheit für die Welt und für sich selbst bewahrt hatte. Gerade im letzten Viertel seines Lebens hielt Hofmann viele Vorträge und Interviews zu seinem körperlich und seelisch gesunden Leben, das bei ihm schon in der Kindheit sehr prägend war, aber erst durch seine späteren Lebenserfahrungen entschieden begründet wurde.

Den jungen Albert Hofmann zeichnete bereits als Kind eine tiefe und glückbringende Verbindung mit der Natur aus. Häufig berichtete er von einem Erlebnis, das er als Grundschulkind an einem schönen Maimorgen gehabt hatte, als sich ihm der Wald um ihn herum in einem unbeschreiblich schönen Licht offenbarte, so dass der kleine Albert seine menschliche Weltwahrnehmung einen Augenblick vergaß und „den Wald sah, wie er wirklich ist, nämlich unbeschreiblich schön“. Gegenüber den Erwachsenen hüllte er sich damit in Schweigen und wunderte sich, warum sie nie über solche Erlebnisse sprachen. Dennoch finden sich ähnliche Berichte auch häufig von Erwachsenen Menschen, die sie gerne in Bildern und Worten illustrieren, wo sie von Feen und Elfen umschwirrt werden. Der bekannte Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl nannte Albert Hofmann deswegem einmal scherzhaft, aber durchaus mit einem gewissen spirituellen Ernst, „Alberich“ – nach dem legendären Elfenkönig Alberich (Oberon). Auch in späteren Jugendjahren unternahm Hofmann weitere solche Streifzüge und entschloss sich wegen dieser Faszination der Natur, Biochemie zu studieren und sein Leben dem Erforschen der Pflanzen für die Heilung der Menschen zu widmen.

Hofmann ahnte damals noch nicht im geringsten, wie sehr sich das bewahrheiten würde, als er an dem Getreidepilz des sogenannten „Mutterkorn“ experimentierte. Ein Schlüsselerlebnis stellte für ihn der „Bicycle Day (Fahrradtag)“ 19. April 1943 dar, als er, mitten im ideologisch entsetztlichsten Krieg der Menschheitsgeschichte, durch (gewissermaßen) einen Laborunfall mit Kopfschmerzmitteln die Droge LSD entdeckte, welche bei ihm für einige Stunden starke Halluzinationen und Einsichten verursachte, die zuerst beängstigend auf ihn wirkten, sich später aber als Glücksfall herausstellten. Insbesondere die Psychotherapie profitierte jahrzehntelang von dieser Entdeckung. Für Hofmann begann nach diesem Tag das fachliche Interesse an Stoffen mit ähnlicher Wirkung in der Menschheitsgeschichte. Das LSD hatte er ja aus Mutterkorn hergestellt, das bereits in der volkstümlichen Mythologie eine bedeutende Rolle gespielt hatte. Als erster Europäer erforschte er die Wirkstoffe in traditionellen Zauberpflanzen und Zauberpilzen religiöser Kulte, was eine wichtige Grundlage für seine späteren Gesellschafts-Visionen darstellte.

Albert Hofmann auf dem Hintergrund einer typischen Zauberpilz-Halluzination
(Albert Hofmann auf dem Hintergrund einer typischen Zauberpilz-Halluzination)

Nachdem Hofmanns Versuche, die Drogenerfahrungen zu wiederholen, kein befriedigendes Ergebnis darstellten, trat er in den Austausch mit Künstlern, Philosophen und religiösen Führern, um herauszufinden, was den Menschen auf gesunde Weise innerlich mit Gott und der Welt verbindet. Daraufhin entwickelte er eine eigene Naturphilosophie, die von einem intensiven Sinneserleben geprägt war.

II. Hofmanns Philosophie: Lichtmystik und Sinneserkenntnis

Hofmann war Zeit seines Lebens Bewunderer des alemannischen Arztes Theophrastus Bombastus Paracelsus von Hohenheim, der im 16. Jahrhundert einen wichtigen Pionier der heutigen Schulmedizin darstellte, auch wenn Paracelsus selbst in seinem Weltbild und seinen Lehren weit davon entfernt war, was die heutige (chemisch-materialistische) Schulmedizin ausmacht. Paracelsus war einer der sogenannten „Theosophen“ der Frühen Neuzeit, für die Naturwissenschaft in erster Linie einen Dienst an der Erkenntnis von Gottes Herrlichkeit in der Schöpfung bedeutete (Im Gegensatz dazu entwickelten die späteren Theosophen der Romantik, die unter anderem wichtige Lehrer des Anthroposophen Rudolf Steiner, leider aber auch einiger Nazis waren, besondere esoterische Lehren). Diese Ansicht vertrat auch Hofmann, dessen Staunen über die Schöpfung und die Natur dazu geführt hatte, als Biochemiker die Wirkstoffe von Pflanzen zu erforschen und zur Heilung von Menschen zu verwenden.

Maßgeblich war bei Paracelsus die heidnisch-naturreligiöse Lehre, dass die Schöpfung wie ein Buch ist, in dem man – wenn man darin denn richtig liest – den Schöpfer selbst erkennen kann. Von dieser Ansicht hebt sich übrigens die Lehre der Religionen Abrahams ab, die besagen, dass sich Gott nicht nur durch die Schöpfung, sondern auch ein Gesetz (die Tauroh des Judentums), ein Buch (den Koran des Islams) oder einen Menschen (den Jesus des Christentums) in seiner vollkommenen Weise und auf einem viel besseren Weg erkennen lässt.

Viele Religionen sprechen von der „Erleuchtung“ oder dem „Licht“ als Symbol des Göttlichen. Diese Ansicht vertrat Albert Hofmann auch naturwissenschaftlich, da Licht die Ausdrucksform kosmischer Energie ist, die Leben erschafft und ermöglicht. Im Klartext: Licht verdichtet sich zu Materie, zuerst zu den hellen Sonnen und Sternen, dann zu festen Planeten wie der Erde, auf der die Pflanzen dann durch die Aufnahme von weiterem Sonnenlicht als lebendige Wesen wachsen. Auch die meisten Tiere benötigen dieses Licht (die Pilze als Schmarotzer in der dunklen Erde zählen allerdings nicht dazu, benötigen aber Nahrung durch die „Lichtwesen“).

Licht ist aber nicht nur für das Leben selbst, sondern auch für die Kommunikation mit Schöpfer und Schöpfung wichtig. Doch wie ist das zu verstehen?

Ein weiterer Mensch, dessen Philosophie Hofmanns Denken ganz maßgeblich beeinflusste, war der britische Druide William Blake, von dem das berühmte Zitat über die „Tore der Wahrnehmung“ stammt:

„If the doors of perception were cleansed, everything would appear to man as it is, infinite.“
Zu deutsch: „Wenn die Pforten der Wahrnehmung gereinigt würden, erschiene alles dem Menschen, wie es ist – grenzenlos.“

Mit diesen Toren bzw. Pforten sind die fünf klassischen Sinne des Menschen gemeint: Das Hören, das Sehen, das Riechen, das Schmecken, das Tasten. Nach Albert Hofmann verbinden diese Sinne die „spirituelle Welt“ mit der „materiellen Welt“. Hierbei ordnet Hofmann die Sinne verschiedenen Zugängen dieser Welten zu:

- Schmecken, Riechen, Tasten: Sinne der materiellen Welt zur Befriedigung körperlicher und überlebensnotwendiger Bedürfnisse.
- Sehen, Hören: Sinne der spirituellen Welt zum mystischen Erkennen und Erleben der Schöpfung.

Sehen und Hören sind also die entscheidenden Sinne. Sie sind dem Erleben wichtig, nicht dem Besitzen (Hofmann: „Um Sehen und Hören sind noch nie Kriege geführt worden“). Eine alemannische Weisheit, die dafür in einfachen Worten ausgedrückt wird, fand Hofmann dafür am Stadttor von Schaffhausen: „Lappi tue d‘Augen uf“ ( zu hochdeutsch: Tolpatsch, mach deine Augen auf. Lappi/Tollpatsch bezeichnet eine unachtsame Person, kann aber auch als „Narr“ übersetzt werden, da der Narr besonders in der alemannischen Mythologie ein Mensch ist, der am wahren Wert des Lebens vorbei lebt).

Stadttor von Schaffhausen

Das Wort „Bewusstsein“ zerfällt für Hofmann übrigens in ein spirituelles „Bewissen“ und ein materielles „Sein“. Wenn diese beiden Bereiche sich im richtigen Verhältnis zum Bewusst-sein vereinen, dann ist als ein besonderer Zustand dieses Bewusstseins das Glück erreicht. Also kommt es nicht nur auf das Sehen und Hören selbst, sondern auf die Verbindung all dieser Sinne mit der Welt an. Nur sehen und hören reicht nicht aus, man muss mit dem Herz begreifen. Ein Zitat, welches das veranschaulicht, findet sich bei Matthias Claudius 1778 in seinem Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“:

„So sind wohl manche Sachen,
Die wir getrost belachen,
Weil unsere Augen sie nicht sehn.“

Aber wie erreicht man diese Verbindung? Wie „reinigt“ man diese „Pforten der Wahrnehmung“? Und warum ist das gerade für heutige Menschen so schwierig?

III. Hofmanns Praxis: Eleusis und die Heilung des Abendlandes

Eine bedeutende Freundschaft verband ihn mit Aldous Huxley, einem berühmten britischen Schriftsteller und Philosophen. Huxleys Buch: „The Doors of Perception“, in dem er seine eigenen Erfahrungen mit Zauberdrogen aus Mexiko beschreibt, spielt auf das schon oben genannte Zitat des britischen Druiden Willam Blake an, das als eine wichtige Grundlage für Hofmanns Naturmystik diente. Hofmann und Huxley lagen ihrerseits in einem langjährigen Streit mit dem amerikanischen Professor Timothy Leary, der 1962 ebenfalls heftige Erfahrungen mit Zauberpilzen und dem durch Albert Hofmann entdeckten LSD gemacht hatte. Leary setzte sich bis zu seiner Verhaftung 1973 besonders radikal für einen intensiven Drogenkonsum religiöser Zauberdrogen in der modernen Gesellschaft ein, weil er der Auffassung war, dass diese Drogen die schnellste und wichtigste Erfahrung der Einheit mit Gott und dem Universum verschaffen könnten und die Religion der Zukunft auf einem solchen Drogenkonsum basieren sollte.

Hofmann und Huxley widersprachen Leary in diesem Punkt entschieden, konnten den Massenmissbrauch der Drogen und die anschließende Kriminalisierung mit dem gesetzlichen Verbot des LSD aber nicht verhindern. Ihr Gegenmodell lag in einem verantwortungsvollen und gezielten Einsatz solcher Erfahrungen, die dem Menschen das Gefühl gaben, nicht von Gott und dem Universum getrennt zu sein – mithilfe von Ritualen, wie sie etwa die antiken griechischen Kulte von Eleusis darstellten.

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https://talonabraxas.deviantart.com/art/Rites-of-Eleusis-601769772

https://conichic.deviantart.com/art/Eleusis-568364896
https://img00.deviantart.net/a1c6/i/2015/298/0/4/eleusis_by_conichic-d9ee15s.jpg

Gerade im antiken Griechenland war eine Weltanschauung des menschlichen Verstandes stark ausgeprägt, die ein Gefühl dieser Getrenntheit vermittelte. Gottfried Benn, ein bekannter Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, sprach hier von der „Europäischen Schicksalsneurose“. Man kann sich als getrenntes Gegenüber dieser Welt betrachten, um sie aus der Distanz erforschen zu können. Das war zweifellos der Motor für den enormen technischen und wissenschaftlichen Fortschritt im Abendland. Hofmann sah darin aber auch die Gefahr einer einseitigen Betrachtung der Welt, und die Konzentration auf die Materie und Gegenstände.

Demgegenüber steht die Erfahrung, dass mein Ich und das Universum auch eine Einheit bilden können, also man sich als Teil einer in sich stimmigen und harmonisch verlaufenden Schöpfung erlebt. Diese Erfahrung kann jeder machen, durch einen gesunden Lebensstil, ein Aufgehen im erfüllendem Tun, eine gezielte Meditation oder eben durch bewusstseinsverändernde Drogen, wie sie Albert Hofmann im Mutterkorn entdeckt hatte. Der Kykeon aus Gerste und Minze war ein Getränk, das die Teilnehmer der eleusinischen Rituale von den Priestern erhalten hatten. Hofmann entdeckte unter anderem Mutterkornstoffe in mexikanischen Heiltränken, die sich ebenfalls in europäischen Gräsern finden. Daraus schloss er, dass die eleusinischen Mysterien wahrscheinlich genau diese oder ähnliche Gräser dem Trank zusetzten, um somit die Einheitserfahrung der Kultteilnehmer zu verstärken.

Diese Mysterien, zu denen auch das frühe Christentum zählte, stellten für Albert Hofmann die besondere Heilung der abendländischen Gesellschaft in der Antike dar. Viele Anklänge davon finden sich auch in der Bibel. So ist die Mystik des Johannesevangeliums erfüllt von einer ständigen Aufhebung der Trennung zwischen Gott und Mensch, und damit auch Jesus und seinen Jüngern. An anderer Stelle würdigt Jesus, seiner Zeit damit weit voraus, besonders die Kinder als zugänglich für die Erfahrung des Paradieses, was Hofmann (vor allem mit Blick auf seine eigenen mystischen Kindheitserfahrungen) damit begründet, dass bei ihnen das Gefühl der Getrenntheit noch nicht so ausgeprägt ist.

Dennoch hatte das Christentum hier aus Hofmanns Sicht versagt: Die europäische Kirche, in die neben der urchristlichen Mystik noch viele römische und jüdische Lehren einflossen, die das Urchristentum eigentlich überwinden sollte, predigte und lehrte weiterhin vor allem das typisch abendländische Getrenntsein (wie es in den Kirchen Asiens, Afrikas und Südamerikas übrigens nicht ganz so stark in Erscheinung tritt!). Die wirkliche Heilung der menschlichen Wahrnehmungs-Neurose unserer Zeit könnte eher dadurch erreicht werden, dass man einen achtsamen Umgang mit der Welt und ein tiefes Einheitsgefühl pflegt, wie es die antiken Mysterien von Eleusis vermittelt hatten, und den man in den menschlichen Alltag integrieren müsse. Eine Formel dafür fasste Hofmann ungefähr so zusammen:

Was du hörst, das höre genau,
Was du siehst, das sehe genau
Und was du erlebst, das erlebe intensiv.

Hofmann selbst verbreitete aber keine eindeutigen Konzepte, wie eine religiöse Neuaufnahme der antiken Mysterien in der Praxis denn aussehen könnte – vermutlich auch deswegen, weil er nicht die Fehler Learys wiederholen wollte? Dennoch blieb er, nachdem er sich in den letzten Jahren seines Lebens in die Schweizer Berge zurückzog und dort 2008 im Alter von 102 Jahren starb, ein Mensch, der einer schwierigen Gesellschaft wichtige Ideen und Erfahrungen hinterlassen hatte.

IV. Zitate

„Es gilt, zu erkennen, dass der einseitige Glaube an das naturwissenschaftliche Weltbild zu einem folgenschweren Irrtum führt. Alles, was dieses materialistische Weltbild beinhaltet, was die Naturwissenschaften gezeigt haben, ist wahr. Aber dieser Inhalt stellt nur die Hälfte der Wirklichkeit dar, nur den materiellen, quantifizierbaren Teil. Alle physikalisch und chemisch nicht fassbaren geistigen Dimensionen der Wirklichkeit, zu denen die wesentlichen Merkmale des Lebendigen gehören, fehlen darin.
Es geht hier nicht darum, die Gültigkeit naturwissenschaftlichen Denkens zu bestreiten und den Wert der messenden Naturforschung herabzumindern, sondern darum auf ihre titanenhafte Einäugigkeit hinzuweisen.“
(M14-16)

„Mit Licht als Energiequelle baut sich auf und erhält sich alles Leben. Auch der Denkprozess des menschlichen Gehirns wird von dieser Energiequelle gespeist, so dass also den menschlichen Geist, unser Bewusstsein, die höchste sublimste Umwandlungsstufe von Licht darstellt. Wir sind Lichtwesen. Das ist nicht nur eine mystische Erfahrung, auf die das Wort „Erleuchtung“ und die Bedeutung des Lichts in vielen Religionen hinweist, sondern auch eine naturwissenschaftliche Tatsache und Wahrheit. Licht ist nicht nur die bioenergetische Grundlage allen Lebens auf der Erde, sondern auch das Medium, mit dem der Schöpfer seinen Geschöpfen die Wunder seiner Schöpfung sichtbar macht.“
(M23-24)

„Naturwissenschaften und Mystik beinhalten nicht sich widersprechende, sondern sich ergänzende Erfahrungen und Wahrheiten. Von den tieferen Einblicken in das Wesen der objektiven Welt, die wir den Naturwissenschaften verdanken, scheinen mir Erkenntnisse vom Mechanismus unserer Wahrnehmung von besonders großer erkenntnismäßiger Bedeutung zu sein. […] Die Sinne unserer Wahrnehmung, das Riechen, Schmecken, Hören und Tasten vermitteln nicht nur den Kontakt mit der materiellen Außenwelt, sondern sie sind auch der Schlüssel und die Tore zur geistigen Welt.“
(M24-26 + Zitat von Blake: Doors of Perception)

„Der Schöpfer kann seine Botschaft nur über Materie und Energie, über seinen großen Sender, die materielle Schöpfung, den materiellen Kosmos zukommen lassen. Er spricht nicht mit Worten, er spricht durch seine Schöpfung. Der große Arzt und Naturwissenschaftler der Renaissance, Paracelsus, nannte die Schöpfung ein Buch, das der Finger Gottes geschrieben hat, in welchem zu lesen wir lernen müssen. Es enthält die Botschaft aus erster Hand. Es ist die Botschaft der Unendlichkeit des Sternenhimmels und der Schönheit unserer Erde mit all ihren wunderschönen Geschöpfen. Die Naturwissenschaften entziffern immer weitere neue Texte aus dieser Botschaft, und der religiöse Mensch erfährt dann in der Meditation, in der Mystenschau, ihre Ganzheit und ihren Sinn, und damit das Wunder ihrer Existenz.
Das könnte die Grundlage einer neuen erdumfassenden Spiritualität werden. Die Naturwissenschaft, die uns das Wissen gibt, und dann der Geist, der diesem Wissen einen Sinn gibt.“
(M49-51 + Zitat von Tagore)

Quellen und Infos:
http://www.fotocommunity.de/photo/was-steht-am-schaffhauser-stadtt-arthur-baumgartner/24465087

Sommersonnenwende mal anders

Es begab sich am 22.7.2010. Normalerweise rein astronomisch ein recht spätes Datum um Sonnenwende zu feiern. Wir hatten aber bereits am Wochenende eine im kleinen Rahmen hinter uns und nun stand noch eine in der Nähe von Esslingen an, auf dem selben schön gestalteten Grundstück wo wir im Winter zuvor schon einige sehr kalte, aber auch schöne Stunden verbracht haben (wenn ich mich da an den legendären Eintopf erinnere den wir bei -20° tiefgefroren vom Grillrost geholt haben…*g*)
Naja, dieses Mal hatten wir entsprechend weniger Leute erwartet. Also ein schönes Ritual im kleinen Kreis bei einem zünftigen Feuer. Aber wir täuschten uns. Es kam ganz anders.

Das Mädchen mit dem ich hinfahren wollte leidet seit Jahren an einer Krankheit, die in ihr eine schwere Lähmung auslöst. Vor zwei Jahren konnte sie immerhin noch mit Krücken gehen – nun aber sitzt sie im Rollstuhl und ist auf Hilfe hingewiesen. Da sie auch noch in einem Hochhaus mit halbem Aufzug wohnt (der ist ironischerweise nur über Treppen zu erreichen) gestaltet sich das entsprechend schwierig und umso trauriger fand ich es bisher, dass ich nur am Telefon oder Fenster mit ihr reden konnte. Bereits unsere gemeinsame Fahrt zu Ostara war nun daran gescheitert, dass wir vergeblich vor ihrer Haustüre darauf gewartet hatten, nur um dann zu hören dass sie es nicht schafft.
Und dieses Mal war es fast wieder so weit. Trotz enormer Verzögerung stand ich rechtzeitig vor ihrer Haustür und hielt den Atem an. Natürlich hatte sie mir fest versprochen dieses Mal mitzukommen. Und natürlich hatte sie sich wieder sehr schwach gefühlt, kleine Zusammenbrüche und erhöhtes Lähmungserscheinen…man kennt es ja. Nun, nachdem sie mir am Handy sozusagen schon die resignierte Absage erteilt hatte konnte ich sie dazu überreden wenigstens zu ihr hochzukommen und sie nach Jahren mal wieder aus direkter Nähe sehen zu können. Mein erster Gedanke beim Betreten der Wohung war die Erkenntnis, warum sie sich seit Monaten gesträubt hatte Besuch von mir zu empfangen und ein starkes Nachvollziehen ihrer inneren Probleme, denn wenn ich in dieser Wohnung auf Dauer gefangen wäre wie sie es nun ja leider ist, würde ich auch durchdrehen. Also war der Fall klar – sturbleiben und zusehen dass wir wegkommen. Nachdem ich eine Weile ihre Hand gehalten hatte, sie sich hochgestemmt und wir sie mit Mühe und Not die Treppen heruntergeschleppt, konnten wir auf der Straße zwei Leute aufgreifen – laut ihrer Aussage die ersten die sie seit zwei Jahren gesehen hatte – die uns ins Auto halfen. Mein nächster Gedanke wie wir sie auf dem Godenhügel in der Pampa fortbewegen konnten, denn das Gelände ist weder für Autoräder noch Rollstühle sonderlich optimal.
Im Licht der späten Sonne brausten wir dann mit dem VW-Bus über die B27, Menhir, Warduna und Omnia aus dem Autoradio und voller Freude dass wir es endlich mal geschafft hatten. Und die Hauptsache: ich merkte wie sie aufblühte, voller Freude aus dem Fenster blickte und über die kommende Feier sinnierte. Vor allem aber hatten wir endlich mal wieder die Zeit intensiv über alles zu reden was uns bedrückte.
Umso größer die Begeisterung als wir endlich in Esslingen ankamen und uns durch die Außenkäffer wühlen mussten. Dann die Krönung als wir in unserer irrenden Verzweiflung unseren Freund dort anriefen: Niemand da am Gelände – und er selbst natürlich mit Bindehautentzündung daheim. Toll. Und dafür waren wir jetzt eine Stunde unterwegs. Aufgeben wollten wir nicht, aber am Gelände war wirklich niemand, auch nicht als wir schließlich dort ankamen. Enttäuschung machte sich breit. Ich schlug vor zu unserem Freund zu fahren und dort eine Pause zu machen, in der Hoffnung vom Rest doch noch jemand zu erreichen.
Und so aßen wir gemeinsam zu Abend, hörten keltisches Radio und redeten über allerhand, während wir endlich erfuhren dass die Leute mit denen wir feiern wollten an dem Tag zu erschöpft gewesen waren nach ihren Aktivitäten um sich noch auf ein Sonnenfeuer einzulassen. Das Mädchen allerdings wirkte so quicklebendig wie lange nicht mehr und nachdem wir beschlossen hatten, wieder nach Hause zu fahren, packten wir zusammen und gingen zum Auto zurück. Faszinierend war nur dass sie, die vorhin noch wie ein schweres Gepäckstück die Treppen herabgezogen werden musste, nun plötzlich von alleine aus dem Rollstuhl aufstand und zur Verblüffung aller in die Beifahrerkabine kraxelte, quicklebendig und gut gelaunt. So rollten wir mit unserem Bus gemütlich durch die Nacht zurück und als wir daheim ankamen blieben wir bis Sonnenaufgang auf und schließlich brachte ich sie wieder nach Hause bevor ich noch ein paar besinnliche Stunden alleine auf dem Feld verbrachte.
Als ich dann schließlich auf meinem Bett zusammenklappte, wusste ich, dass es, auch wenn die Feier nun ausgefallen war, es mindestens eine Sache gab, für die sich der ganze Aufwand wirklich gelohnt hatte – und diese Sonnenwende die schönste meines Lebens war. Es muss nicht immer ein großes Fest mit Feuer und Riten sein. ;)

„Komm wir fliegen durch die Nacht und lassen unsere Träume rollen.
Wir funktionieren niemals so, wie wir es eigentlich sollen.
Wir respektieren nur unser Gefühl,
unsere Tränen sind unsere Macht.
Und wenn das die Spießer nicht kapieren
verbrennen wir ihnen die Nacht.

Wenn uns unsre Alten fragen, wo wir heute Abend sind,
sagen wir: „Wir sind im 7. Himmel, in der 7. Hölle.“
Vor Freude weint der Wind.“
(AufBruch)




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